Medientipps

 

Belletristik – Erwachsene

Was es braucht in der Nacht

Laurent Petitmangin: Was es braucht in der Nacht

Der Ich-Erzähler, Vater von zwei Söhnen, erzählt die berührende Geschichte ab dem Zeitpunkt, als er seine Frau an Krebs verliert. Die Söhne Gillou und Fus, Fus für Fussball, sind pubertierend und sehr unterschiedlich. Fus, der Ältere, hat oft die Schule verpasst, weil er die Zeit am Krankenbett seiner Mutter verbracht hat. Irgendwann kommt er nicht mehr mit und verpasst den Anschluss, nicht nur an die Schule, sondern ans Leben. Der Vater erzählt nostalgisch-traurig, was er anders hätte tun können – vielleicht mehr Druck ausüben? – und tadelt sich im Laufe der Erzählung auch ab und zu selbst.
Fus gerät in rechtsextreme Kreise und kommt unter die Räder: Während eines Streits verletzt er seinen Gegner tödlich und wird zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Für den Vater und den Bruder ein grosser Schlag und eine grosse Bürde, die sie ein Leben lang tragen werden – fast, denn Fus entscheidet anders.
Der Erzähler verarbeitet Gedanken, die ihn damals umtrieben und stellt Zusammenhänge her, um die Vorkommnisse besser verstehen zu können. Er reflektiert das Geschehene und fragt nach den Gründen, ohne endgültige Antworten zu finden, was einer der Vorzüge dieses Romans ist. Der Erzähler gibt keine moralischen Anweisungen, sondern beschreibt die traurige Geschichte seines Sohnes Fus, schicksalergeben und stoisch. Vielleicht ist es auch diese Art und Weise, wie er dem Leben begegnet, welche die Figur des Vaters, trotz Fehler und verpassten Chancen, so realistisch und nah erscheinen lässt.

Foto: Buchhaus.ch

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Graphic Novel – Erwachsene

Drei Vaeter

Nando von Arb: 3 Väter

Zu Recht wurde dieses ungewöhnliche Werk mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 ausgezeichnet: Mit seiner autobiographischen Graphic Novel trifft der Künstler Nando von Arb mitten ins Herz. In dieser Kindheitsgeschichte spielt nicht nur die alleinerziehende Mutter eine zentrale Rolle, die als Vogel mit grossen Schwingen dargestellt wird, mit denen sie ihre drei Kinder vor allem Übel der Welt zu beschützen versucht. Auch drei verschiedene Väter nehmen ihren ganz eigenen Platz im Leben des kleinen Nandos ein. Während Nandos biologischer Vater ein kunstinteressierter Schakal ist, der sich nach der Geburt seines Sohnes davongestohlen hat und jetzt versucht, die Vater-Sohn-Beziehung neu aufleben zu lassen, erinnert der Kindheitsfreund der Mutter, der humorvolle, freche Freigeist Kiko, an einen Clown auf Stelzen. Der neue Partner der Mutter wiederum ist genau das, was diese in ihrem unsteten Leben braucht – ein Fels in der Brandung. Der eigenwillige Zeichnungsstil erscheint im ersten Moment wenig ansprechend, macht die Sicht des kindlichen Erzählers jedoch auf authentische Weise erst richtig fassbar.

Foto: Buchhaus.ch

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Bilderbuch – Kinder

Reggaehase Boo

Jens Strohschnieder, Yellow Umbrella: Der Reggaehase Boooo und der gute Ton

Was kommt dabei heraus, wenn ein Reggaemusiker Kinderbücher schreibt? Klar, Geschichten mit liebevollen Charakteren, viel Sonnenschein und natürlich mit viel guter Musik.
Der Reggaehase Boooo und seine Freunde Herbie Heuler und Peter Fuchs sind gerade mit ihrer brandneuen Band namens «Saaat» im Proberaum und üben ihren allerersten Song, als plötzlich eine grosse schwarze Wolke über den Reggaewald zieht und es richtig doll düster wird. Nachdem die Wolke weitergezogen ist, wagen sich Boooo und seine Freunde nach draussen. Aber was ist denn das? Alle Tiere im Reggaewald sind in einen Tiefschlaf gefallen. Sie rütteln und schütteln sie, doch sie sind nicht aufzuwecken. Ist daran etwa die grosse schwarze Wolke schuld? Da gibt es nur einen, der ihnen weiterhelfen kann und vielleicht eine Antwort weiss: der mystische Skavogel. Boooo und seine Freunde machen sich auf den Weg durch den Reggaewald und erleben dabei ein wundersames Abenteuer. Schaffen sie es, das Rätsel gemeinsam zu lösen und die Tiere aufzuwecken?
Die Geschichten von Boooo und seinen Freunden entstanden im Kreis der Reggaeband «Yellow Umbrella» aus einer Laune heraus. Sie wurden von der Band nach ihren Auftritten live aufgeführt und vom Publikum, von den Kleinen wie auch den Grossen, begeistert aufgenommen. Die Bilderbücher sind liebevoll illustriert und da die Musik eine wichtige Rolle spielt, darf natürlich auch eine CD nicht fehlen. Darauf befindet sich neben all den guten Songs, gespielt von Yellow Umbrella, auch die Geschichte als Hörbuchfassung, erzählt von der eindrücklichen Stimme von Dr. Ring Ding. Ein absoluter Hörgenuss für die ganze Familie – nicht nur für Reggaefans!

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Hundepark

Sofi Oksanen: Hundepark

Etwas harte Kost ist er schon, der Roman «Hundepark» von Sofi Oksanen, der sich über drei Jahrzehnte ausdehnt, und der zwischen dem heutigen Finnland und der Ukraine spielt. Unbarmherzig wird darin die Perspektivenlosigkeit von Teilen der Bevölkerung beleuchtet, die im Graubereich zwischen Legalität, (Klein)Kriminalität, Korruption und dem Zusammenbruch von staatlichen Strukturen ihr Überleben zu sichern versuchen, auch auf Kosten von familiären Banden und Freundschaften.
Ein Delikt, das lange Zeit nur angedeutet bleibt, bildet den Referenzpunkt in der Erzählung von Olenka, einer Ukrainerin finnischer Abstammung. Nachdem sie als Fotomodell in Paris gescheitert ist, erklimmt Olenka nach ihrer Rückkehr die Karriereleiter in einer ukrainischen Vermittlungsfirma, die kinderlosen Ehepaaren aus dem Ausland Leihmütter und Eizellenspenderinnen anbietet, und findet gar Zugang zu Oligarchenkreisen – bezahlt aber schliesslich einen hohen Preis für ihr persönliches Glück.
Ein nachdenklich stimmender, lesenswerter Text, der ein gnadenloses Licht auf Machtstrukturen sowie auf die mannigfache Ausbeutung und Kommerzialisierung des weiblichen Körpers richtet.

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Belletristik - Roman

Die Wut die bleibt

Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt

Mareike Fallwickl wirft ihre LeserInnen gleich auf Seite eins mitten in die Geschichte hinein. Die Geschichte über Helen, Mutter von drei Kindern, welche sich beim Abendessen mit der Familie ohne ein Wort erhebt, zum Balkon geht und hinunterspringt. Ohne Erklärung, ohne Abschiedsworte. Auch uns Lesenden wird Helens Entscheidung nicht näher erläutert. Dafür erhalten wir einen tiefen Einblick in die Gedanken und Gefühle von Helens ältester Tochter Lola und Helens bester Freundin Sarah. Abwechselnd begleiten wir die zwei unterschiedlichen Frauen auf ihrem Weg der Trauer und der Erinnerungen und erleben, wie sie beide versuchen, mit ihren Emotionen fertig zu werden. Vor allem Lola konzentriert sich dabei auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Wir erleben, wie Lola physische und psychische Gewalt an jungen Frauen erfährt und gemeinsam mit ihrer besten Freundin beschliesst, sich zur Wehr zu setzen. Ihre Wut einzusetzen, umzulenken, um sich und andere zu schützen. Wir fühlen mit Sarah mit, die zwischen Neid auf Helens Familie und Scham über ihre fehlende Aufmerksamkeit ihrer besten Freundin gegenüber hin- und hergerissen ist. Mareike Fallwickls Roman behandelt das Thema Frau-Sein, Mutter-Sein, die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft, die Gewalt, die Frauen noch immer angetan wird. Ein provozierender, kräftiger Roman in Fallwickls klarer und stellenweise poetischer Sprache. Und zurück bleibt dieses leise Simmern…

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Das Versprechen

Damon Galgut: Das Versprechen

Eine Familie, die sich nur trifft, wenn eines ihrer Mitglieder zu Grabe getragen wird. Eine Farm, die sich durch immer neue Anbauten in ein bizarres Gebilde verwandelt hat und zunehmend zu verfallen droht. Ein Versprechen, das über Jahrzehnte uneingelöst bleibt.
In seinem mit dem Booker-Preis 2021 ausgezeichneten Roman schildert Damon Galgut den Niedergang einer weissen südafrikanischen Familie über vier Jahrzehnte. Beziehungsprobleme, Versagensängste, ausbleibende Liebe, Misstrauen, Erbteilungen, religiöse Konflikte, Sinnkrisen und Alkoholsucht sind nur einige der Gründe für den inneren Zerfall. Die Ereignisse und Probleme innerhalb des Mikrokosmos Familie spielen sich vor dem Hintergrund der bewegten Geschichte Südafrikas vom Ende der Apartheid bis zur heutigen Demokratie ab und spiegeln sich teilweise gleichzeitig in ihr.
Brilliant ist die Sprache des Romans – lustvoll, häufig sarkastisch und spielerisch zwischen den Perspektiven wechselnd präsentiert die Erzählinstanz dieses breite Tableau menschlicher Verfehlungen und wird in der Vorstellung der Leserin fast zu einem eigenständigen Protagonisten.

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Belletristik - Roman

Julia Schoch: Das Vorkommnis

Das titelgebende Vorkommnis in diesem Roman ist eigentlich erschütternd: Gleich auf der ersten Seite schildert die Ich-Erzählerin, wie sie, eine Autorin, in einer norddeutschen Stadt aus ihrem neuen Roman vorliest, und wie im Anschluss an die Veranstaltung eine Frau zu ihr tritt und lapidar sagt: «Wir haben übrigens denselben Vater.» Ist die Ich-Erzählerin ihrer Halbschwester danach wirklich einfach schluchzend um den Hals gefallen und nach ein paar Worten davongegangen?
Wie sich dieses Vorkommnis tatsächlich zugetragen hat, ist in diesem Werk vordergründig jedoch nicht weiter von Belang. Auch gerät das Leben der Ich-Erzählerin nicht völlig aus den Fugen, zieht sie doch kurze Zeit danach, wie geplant, für ein paar Monate in die USA, um dort ein Seminar über literarisches Schreiben zu geben, ohne Kontakt mit ihrer Halbschwester aufzunehmen.
Doch unaufhaltsam geraten Gewissheiten ins Wanken: Sie, die namenlose Ich-Erzählerin, wusste doch schon seit ihrer Kindheit, dass es da noch eine Halbschwester gab? In unaufgeregtem, lakonischem Tonfall, aber mit ungeheurer Tiefenschärfe und Sogwirkung wird geschildert, wie sich der Blick auf eine Kindheit in der DDR, auf die Beziehung zur Schwester, Mutter und zum Vater, der im Sterben liegt, und letztlich auch auf die eigene Ehe und Kleinfamilie zu trüben und zu verdüstern beginnt. Ein Gefühl des Misstrauens, der Verdächtigungen und der Paranoia sickert in die Ich-Erzählerin, während sie über die Unzuverlässigkeit ihrer Erinnerungen sinniert. Erst Jahre nach diesem Vorkommnis meldet sie sich bei ihrer Halbschwester, um sie zu treffen, und noch viel später wird sie die Worte finden, um darüber zu schreiben. Auf diese Verschiebungen in der Wahrnehmung – was existiert nur in der Erinnerung und Imagination, was in der «Realität» und in der «Wirklichkeit»? − wird auch schon mit den beiden Werkbezeichnungen «Roman» und «Biographie einer Frau» angedeutet.
Ein vielschichtiger Text, der gespannt auf weitere Lektüren macht − das «Vorkommnis» ist nämlich als erster Teil einer Trilogie angedacht und verfasst.

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Genug

Louise Juhl Dalsgaard: Genug

Sie wollte eigentlich nur abnehmen und mehr Sport treiben. Aber dann verliert sie innerhalb weniger Monate 40 Kilo. Sie wird magersüchtig, oder vielleicht müsste man sagen «liebessüchtig», denn eigentlich möchte sie so geliebt werden, wie sie ist. Sie ist eine hervorragende Schülerin, aber die Lehrpersonen sagen ihr, sie sei zu laut, zu liebesbedürftig, zu viel. Die Eltern genauso. Sie lassen sie so lange spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist mit ihr, bis sie sich selbst nicht mehr spürt.
Für die junge Frau, die in den Krankenakten, in welche man als LeserIn immer wieder Einblick bekommt, nur als «Pat.» geführt wird, beginnt ein Leidensweg mit Stationen in diversen Krankenhäusern und Kliniken.
Die Ich-Erzählerin erforscht und analysiert, was mit ihr geschieht. Sie macht dies auf humorvolle und philosophische Weise; ihre Geschichte wird trotz des schwierigen Themas auf leichte, poetische Weise erzählt und berührt zutiefst.

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Every

Meral Kureyshi: Fünf Jahreszeiten

Die Ich-Erzählerin hat ihren Master in Filmwissenschaften abgebrochen und arbeitet als Aufseherin in einem Kunstmuseum. Sie ist nicht gewillt, sich zwischen ihrem Freund Manuel und ihrem Geliebten Adam zu entscheiden. Es sind Manuel und Adam, die sie mit diesem Thema immer wieder konfrontieren. Sie geht nicht darauf ein, lässt sie fortgehen und wieder zurückkommen. Die Erzählerin fliesst durch ihr Leben wie ein Fluss, der manchmal Blätter und Äste mitnimmt, die zufällig ins Wasser fallen.
Die männlichen Figuren, Manuel, Adam, Nikola und Paul, repräsentieren unterschiedliche Beziehungen, deren schöne Momente die weibliche Hauptfigur geniesst. Wenn es zu einem Wiedersehen kommt, ist die Erzählerin voll und ganz im Jetzt. Die Grenzen zwischen Liebesbeziehung und Freundschaft verwischen. Es gibt noch eine weitere männliche Figur, die im Leben der Hauptfigur eine grosse Rolle spielt: ihr verstorbener Vater, Baba. Er kam aus einem anderen Land, wie sie selbst auch. Das „Dort“, das „Daheim“, existiert nur durch ihre Erinnerungen.
Mit den Erinnerungen eröffnen sich andere Lebensentwürfe, andere Geschichten der handelnden Figuren, deren Leben anders verlaufen wäre, wären sie nicht emigriert. Dass man am neuen Ort auch nicht unbedingt ankommt, dass man ewig in den Zwischenräumen bleibt, drückt sich auch in folgendem Zitat aus: „Eine Sprache, die man dazulernt, wird man nie beherrschen“.
Meral Kureyshi skizziert das Unbehagen des Fremdseins aus einer neuen Perspektive. Sie macht nicht das Alltagsgeschehen zum Objekt des Andersseins, sondern den inneren Zustand der Hauptfigur. Sie lässt uns tief in das Innenleben der Ich-Erzählerin blicken und zeigt uns auf diese subtile Weise, was Migration mit Menschen macht. Aus dieser Perspektive trägt der Roman viel dazu bei zu verstehen, wie das Ankommen und Leben in einem fremden Land sein kann.
Die Geschichte beginnt mit der Jahreszeit des Winters. Nach Frühling, Sommer und Herbst, beginnt wieder der Winter. Wir werden an den Anfang der Geschichte geführt. Auf diese Weise schliesst sich der Kreis: Nichts hat nur ein Ende oder nur einen Anfang, sondern immer beides, wie das Leben.

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Every

Dave Eggers: Every

Im Nachfolgeroman zu seinem Bestseller Der Circle baut der amerikanische Autor Dave Eggers seine Überwachungsdystopie weiter aus. Das mächtige amerikanische IT-Unternehmen des ersten Romans, welches alle digitalen Dienstleistungen unter seine Kontrolle gebracht hat und mit dem Leitspruch «Geheimnisse sind Lügen» und Technologien wie tragbaren Minikameras auf den gläsernen Menschen hinarbeitet, ist endgültig zum Monopolisten geworden. Nach der Übernahme des grössten Onlinehändlers des Landes kontrolliert «Every» nun auch die Kaufentscheidungen seiner Nutzer – dies u.a. mit dem Ziel, die Klimakrise abzuwenden. Nur wenige Menschen widersetzen sich der totalen Überwachung und sind gezwungen, eng zusammengedrängt in ghettoartigen Stadtvierteln zu leben. Angesichts dieser Situation entscheidet sich die junge Delaney Wells für den aktiven Widerstand: Sie will «Every» von innen heraus zerstören und verschafft sich einen der heissbegehrten Jobs im Unternehmen. Ihr Plan besteht darin, durch die Erfindung immer menschenverachtenderer Technologien einen Proteststurm gegen das Unternehmen auszulösen. Entgegen Delaneys Erwartungen werden ihre Apps jedoch von der Mehrheit der globalen Nutzerschaft begeistert aufgenommen, seien es der digitale Lügendetektor oder die Analyse sämtlicher in Privatwohnungen geführter Gespräche, die angeblich der Verhinderung häuslicher Gewalt dienen. Mit Bestürzung muss Delaney sich die Frage stellen: Ist der Wunsch der Menschen nach Kontrolle grösser als ihr Bedürfnis nach Freiheit?
Eggers Roman ist sprachlich zwar nur mittelmässig und in seinen Botschaften allzu offensichtlich, was bereits an den zahlreichen Untertiteln («Every oder Endlich ein Gefühl von Ordnung oder Die letzten Tage des freien Willens oder Grenzenlose Auswahl zerstört die Welt») überdeutlich wird. Trotzdem regt die Lektüre nachhaltig zum Denken an, und dies nicht nur im Hinblick auf den Datenschutz oder die schädlichen Auswirkungen von übertriebener Handynutzung. Gerade die von Eggers geschilderte Ideologie, alles messen, berechnen, vorhersagen und steuern zu wollen (und damit jegliche Unsicherheiten und spontane, unvernünftige oder unkonventionelle Handlungen präventiv zu verhindern), wird vielen realen Wirtschaftsunternehmen, vielleicht auch manchen PolitikerInnen, nicht ganz fremd sein. Und vielleicht ist eine wohlmeinende Bevormundung tatsächlich das einzige Mittel, die Menschheit vor der Zerstörung der Welt zu bewahren…?

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Das Muschelessen

Birgit Vanderbeke: Das Muschelessen

Der erste Satz der Erzählung von «Das Muschelessen» erstreckt sich fast über eine ganze Seite. Er wirkt wie ein Sog, der einen anhand von Wiederholungen immer intensiver in das Gedankenkonstrukt der Ich-Erzählerin hineinzieht. Insbesondere die Begriffe «Zeichen» und «Zufall» werden mehrmals genannt, einander gegenüber und gleichzeitig in Frage gestellt. Eine Betrachtung führt zur anderen, ein sich potenzierendes Weiterspinnen der Gedanken.
Die Mutter, der Sohn und die Tochter warten auf den Ehemann und Vater, der von einer Dienstreise nach Hause kommt. Das Abendessen soll etwas Besonderes werden. Zum einen wird der Vater eine Beförderung verkünden, zum anderen möchte er nach der langen und beschwerlichen Reise etwas Gutes auf den Teller bekommen: Muscheln und Pommes Frites sind eine seiner Lieblingsspeisen, die für ihn gründlich und sorgfältig vorbereitet werden. Nur lässt er lange auf sich warten, und in dieser Wartezeit diskutieren die Ehefrau und die Kinder über den Vater. Durch Bemerkungen, Beobachtungen und Gespräche zwischen den drei Wartenden setzt sich ein Bild dieses Mannes zusammen, das ihn als lieblos und herrisch zeichnet. Obwohl der Vater innerhalb der Zeitspanne der Erzählung physisch nie in Erscheinung tritt, wirkt er als Monster, als Bedrohung, die jeden Moment in den Kreis der Familie einbrechen könnte. Dieses unangenehme Gefühl der Angst spürbar zu machen, welches die Figuren in sich tragen, ohne die Furcht beim Namen zu nennen, darin war Birgit Vanderbeke eine Künstlerin.

Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik - Roman

Die Frauen

Evie Wyld: Die Frauen

In Evie Wylds Roman «Die Frauen» stehen drei Frauen im Zentrum, deren Schicksale ineinander verstrickt sind: Viviane ist von London her angereist, um den Nachlass im Haus ihrer Grossmutter zu ordnen und auch den Tod ihres Vaters zu betrauern. In diesem zugigen, feuchtkalten Haus an der schottischen Küste, in dem es von (weiblichen) Geistern und Schattenwesen zu wimmeln scheint, leistet ihr eine neue Zufallsbekanntschaft namens Maggie Gesellschaft, die ein Leben auf der Strasse führt und sich als moderne Hexe inszeniert.
Rund ein halbes Jahrhundert früher zieht Vivianes Stiefgrossmutter Ruth mit ihrem verwitweten Ehemann Peter und seinen beiden Söhnen in besagtes Haus. Aus London stammend, hadert sie mit der Unwirtlichkeit ihres neuen Umfelds, sei es mit der rauen schottischen Natur, sei es mit der schroffen, misstrauischen Haltung der Dorfbewohner. Die Stiefsöhne sind in einem Internat mit zweifelhaften Erziehungsmethoden untergebracht, während Ruths Mann immer wieder längere Zeit in London in seiner Kanzlei weilt. Ein eigenes Kind bleibt ihr verwehrt, das befremdliche Verhalten der Dorfbewohner und das immer perfidere Gebaren ihres Ehemannes treiben Ruth zusehends in die Einsamkeit, in Traumwelten und den Alkoholismus. Einzig in der Freundschaft zu ihrer Angestellten Betty und deren Nichte Bernadette – bei der es sich um Vivianes Mutter handelt – findet sie Halt.
Noch weiter zurück in die Vergangenheit reicht die Erzählung eines jungen Mannes, der in einem dritten Erzählstrang nachzeichnet, wie eine junge Frau namens Sarah im 17. Jh. um ihr Leben rennt, nachdem sie der Hexerei bezichtigt, mehrfach missbraucht und von den Dorfbewohnern verfolgt wurde, und wie er selbst sie zu retten und eben auch zu besitzen versucht – mit katastrophalem Ausgang.
In markantem Kontrast zur zentralen Thematik des Romans – verschiedene Formen von misogyner Gewalt, die von subtiler Erniedrigung bis hin zu brutaler physischer Gewalt reicht – steht dessen Komposition, die ebenso elegant wie harmonisch ist. Zudem ist der Roman ebenso flüssig wie spannend geschrieben und zeichnet sich durch seine psychologische Raffinesse aus.

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Comic (Graphic Novel) 

Soon

Thomas Cadène: Soon

Im Jahr 2051 startet die SOON-Mission zu einer Reise ohne Rückkehr in ein fremdes Sonnensystem. Ihr Ziel: Der Menschheit einen Neustart auf einem unversehrten Planeten zu ermöglichen. Der Preis, den die Crew zahlen wird, ist allerdings hoch. Sie wird ihre Familien, ihre Freunde und die Erde nie wieder sehen.
Einen Monat zuvor bereisen SOON-Kapitänin und Mutter Simone und ihr Teenager-Sohn Yuri unsere zukünftige Erde. Zwischen Slums und intelligenten Städten, verseuchten Zonen und grünen Oasen versuchen die beiden, die Funkstille zwischen ihnen mit Streitgesprächen zu überwinden. Gehen und neu beginnen oder bleiben und retten? Risiko im Weltraum oder Sicherheit im Bekannten? Familienbande oder Berufung? 
Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik – Roman

Krumholz

Flavio Steimann: Krumholz

Die ländliche Schweiz im frühen 20. Jahrhundert: Das Leben der Bauern, Arbeiter und Handwerker ist von modernen Errungenschaften und Ideen noch weitgehend unberührt; kirchliche Feiertage sowie die Abfolge der Jahreszeiten prägen den Zeitenlauf. Die Arbeit ist hart, der Umgang rau und die Vergnügungen spärlich. Eines Frühsommers erhitzt ein brutales Verbrechen die Gemüter. Fortan gilt nur noch ein Gebot: Den Mörder zu fassen und zu bestrafen.
Der Roman widmet sich in gleichen Teilen dem Opfer und dem Täter, der taubstummen Agatha und dem Landstreicher Zenz. In arme, lieblose Verhältnisse hineingeboren sind sie beide gierig nach Leben und einem kleinen Glück. In kraftvoller, eindringlicher und lyrisch verdichteter Sprache schildert der Autor das Leben zweier Aussenseiter in einer unbarmherzigen Gesellschaft.
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Bilderbuch Kinder / Graphic Novel Erwachsene

Herkules  Herakles

Anna Kindermann: Die 12 Heldentaten des Herkules
Luc Ferry: Herakles

Der nemeische Löwe... die Erlegung der Hydra... hmm... diese Amazonen und der Höllenhund Kerberos... äh, wie war das nochmal, mit diesen zwölf Heldentaten des Herkules?
Zwei unterschiedliche Bildergeschichten erzählen auf eine vergleichbare, aber auch höchst unterschiedliche Art und Weise vom Leben und Wirken dieses altgriechischen Halbgottes – anschaulich, eindrücklich und von einer zeitlosen Qualität sind sie beide.

Da ist zum einen das Bilderbuch «Die zwölf Heldentaten des Herkules» (aus der neuen Reihe Sagen für Kinder), das sich bestens zum Vorlesen eignet, und das Kindern die aufregenden Abenteuer und Mutproben dieses bärenstarken, erfolgreichen jungen Mannes auf eine leichte, aber dennoch fundierte Weise näher bringen.

Zum anderen wird dieser Mythos auch in einem Comic für Erwachsene mit dem Titel «Herakles» (aus der neuen Reihe Mythen der Antike) nacherzählt – ein Bilderbuch, das zwar ebenfalls äusserst kurzweilig zu lesen ist, das wunderschön gezeichnet und koloriert ist, aber eben auch drastisch und äusserst bildstark von Herakles‘ paradoxer Existenz berichtet – weswegen es sich auch eher nicht zum Vorlesen eignet... Herkules, wie er in diesem Comic für Erwachsene dargestellt wird, hat keine Ähnlichkeit mit einem bewundernswerten Superhelden, sondern erfüllt diszipliniert seine schicksalshafte und tragische Mission, für die er überhaupt vom Göttervater Zeus gezeugt wurde: «(…) um die kosmische Ordnung zu verteidigen, die Zeus in seinem Kampf gegen die Titanen so mühsam erschaffen hat, selbst um den Preis schlimmster Leiden und ohne für sich selbst je Nutzen daraus zu ziehen.» Fotos: Buchhaus.ch

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Belletristik – Roman

Vom Ende eines Sommers

Melissa Harrison: Vom Ende eines Sommers

Ein kleines englisches Dorf in den 1930er-Jahren. Die vierzehnjährige Edith Mather, genannt Edie, lebt mit ihrer verarmten Familie auf Wych Farm im ländlichen Suffolk. Nachdem es von der Schule abgehen musste, um auf dem elterlichen Hof mitzuhelfen, führt das junge, intelligente Mädchen ein Leben voller Einsamkeit, geprägt von den Rhythmen und Ritualen der Landwirtschaft. Einzig in ihren Büchern findet Edie Zuflucht, und sie ist fasziniert von den Erzählungen und dem Volksglauben ihrer Umgebung. An einer Anstellung als Kindermädchen hat sie kein Interesse, aber eine andere Perspektive, als zu heiraten und Kinder zu bekommen, bietet sich ihr nicht. Edie kämpft um ihren Platz in ihrer konservativen, patriarchalischen Familie und versucht vergeblich, sich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr zu setzen. Der Alltag auf dem Land ist hart, die Sorge um die Ernte und steigende Ausgaben hängen ebenso bedrohlich über dem Hof wie die Weltwirtschaftskrise und der Erste Weltkrieg. Als die Journalistin Constance FitzAllen aus London anreist, um das „echte“, ländliche England wiederzuentdecken, bevor es endgültig zerstört wird, geniesst Edie die (vermeintliche) Freundschaft und Inspiration einer unabhängigen, erwachsenen Freundin und Mentorin. Doch Connie porträtiert nicht einfach nur das Landleben, sondern löst mit ihrer versteckten politischen Agenda und ihren handfesten Interessen immer heftigere Auseinander­setzungen unter den Dorfbewohnern und in Edies Familie aus. Die Idylle des Sommers und eines bäuerlichen Lebens im Einklang mit der Natur werden schliesslich durch die Unwissenheit und den naiven Aberglauben des einsamen Mädchens auf höchst dramatische Weise zerstört. Wenngleich das Ende dieser Erzählung, in der die mittlerweile betagte Edie auf das Ende ihrer Kindheit zurückblickt, in seiner Abruptheit und Brutalität vielleicht etwas überzeichnet scheinen mag, hallt es noch lange nach. Foto: Buchhaus.ch

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E-Book – Roman

annette

Anne Weber: Annette. Ein Heldinnenepos

Heldenepen kennt man aus dem Mittelalter: Geschichten starker Männer, die unbezwingbar scheinende Hindernisse überwinden und dabei vorbildhafte Tugenden zeigen. Doch wie kann man sich eine – weibliche – Heldenfigur der Moderne vorstellen?
Eine makellose, unhinterfragbare Frau ist es nicht, die Anne Weber in ihrem Langgedicht beschreibt, aber bewundernswert ist Anne Beaumanoir allemal. Bereits als Jugendliche war die Französin aktiv in der Résistance, rettete zwei jüdischen Kindern das Leben, wurde Ärztin und gründete später selbst eine Familie. Vom Kampf um die algerische Unabhängigkeit politisch bewegt, setzte sie ein zweites Mal als Widerstandskämpferin ihr Leben aufs Spiel.
Mit Haltung, Mut, unbeirrbarem Idealismus und ohne Rücksicht auf persönliche Risiken kämpfte Anne Beaumanoir für ihre Vorstellung einer gerechten und humanen Welt. Anne Weber erzählt das Leben dieser aussergewöhnlichen Frau mit viel Empathie, geht jedoch auch immer wieder in kritische, oft ironische Distanz zu ihrer Figur und verleiht der uralten literarischen Form des Epos durch ihren einzigartigen Erzählton neues Leben. Foto: Buchhaus.ch

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Roman

arminuta

Donatella Di Pietrantonio: Arminuta

Die knapp 15-jährige Ich-Erzählerin kommt in ihre biologische Familie zurück. Arminuta, die Zurückgekommene, sucht mit Mühe und Not ihren Platz. Ein bürgerliches und sorgenfreies Leben gewohnt, findet sie sich von einem Moment auf den anderen in armen Verhältnissen wieder. Eine grosse Familie, deren Mitglieder alle mit sich selber beschäftigt sind, heisst sie nicht willkommen. Sie teilt sich das Bett mit einer ihrer Schwestern, Adriana, die ihr nachts eine Fusssohle leiht und sich morgens im durchnässten Bett wiederfindet. Die Ich-Erzählerin beschreibt ihre Kindheit in der Retrospektive, ohne jemanden zu beschuldigen oder moralisch zu wirken. Realistisch und lyrisch zugleich fängt sie die Atmosphäre ein und schildert die Rauheit der Worte und der Gesten zwischen den Familienangehörigen. Es gibt keinen Platz für liebevolle Worte oder kurze Streicheleinheiten. Trotz der ausweglosen Situation schafft es die Protagonistin immer wieder, kurze Momente des Glücks einzufangen, etwa beim Karussellfahren, wo ihre Schwester Adriana und einer der Brüder, Vincenzo, sie in die Mitte nehmen, um sie zu beschützen.
Obwohl die Beziehung zur Mutter belastend ist, versucht das junge Mädchen, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch die Mutter schaut sie selten an und spricht auch kein liebes Wort zu ihr. Diese abweisende und kühle Haltung der Mutter wird die Hauptfigur auch im Roman «Borgo Sud» begleiten. Donatella Di Pietrantonio gelingt es, mit einer knappen Sprache jeweils das Wesentliche zu beleuchten. Die raue Sprache der Familienangehörigen finden wir in der Art und Weise des Erzählens wieder: intensiv und poetisch zugleich. Foto: Buchhaus.ch

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Roman

dicht

Stefanie Sargnagel: Dicht

Mitten in Wien aufgewachsen, schreibt Stefanie Sargnagel ungeschönt, unzensiert und ehrlich von ihrer Jugend. Sie erzählt von all den Gestalten, den Aussenseitern, den komischen Vögeln, zu welchen sie sich selbst mitzählt. Von Freundschaften und Alkohol, Zusammenhalt und Unterstützung und von gegenseitigem Respekt. Ihr Roman unterhält mit Wiener Schmäh, Sarkasmus und Charme und rettet (ein wenig zumindest…) den Glauben an die Menschheit. Foto: Buchhaus.ch

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E-Book / Roman

das-lied-der-arktis

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Eine Geschichte mitten aus dem Leben. Fünf Frauen, fünf Schicksale – miteinander verknüpft und doch kämpft jede für sich allein. Tapfer stellen sie sich ihren dunkelsten Seiten, versuchen mit dem Tod des Kindes, dem Verlust der Ehe, dem Scheitern der Beziehung klarzukommen. Die fein gezeichneten Charaktere gewähren sehr intime Einblicke in das Leben der starken Frauen. Der Roman ist als E-Book, Hörbuch und gebundene Ausgabe bei uns erhältlich. Foto: Dibiost

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E-Book / Roman

das-lied-der-arktis

Jackie Thomae: Brüder

Michael und Gabriel sind beide 1970 in Ostdeutschland geboren und Söhne eines senegalesischen Medizinstudenten. Sie kennen weder einander noch den Vater und wachsen beide als Kinder alleinerziehender Mütter auf. Doch darüber hinaus haben sie wenig gemeinsam: Während Michael die Westberliner Partyszene der Neunzigerjahre geniesst, ohne einen Gedanken an seine Zukunft zu verschwenden, schliesst Gabriel sein Architekturstudium ab und gründet in seiner Wahlheimat London eine Firma und eine Familie. Beider Leben bleiben nicht ohne Krisenerfahrungen. Erst als der Vater übers Internet nach ihnen sucht, nähern sich die beiden Brüder einander an.
Der Roman behandelt Themen wie Identität, Zugehörigkeit und Verantwortung, ohne dabei je ins Belehrende zu verfallen. In seiner unterhaltsamen, leicht ironischen und flüssigen Erzählweise erinnert der Roman an zeitgenössische angelsächsische Literatur. Foto: Dibiost

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Roman

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Bérengère Cournut: Das Lied der Arktis

Auf eine ebenso poetische wie ethnographische Weise wird in diesem Roman das Heranwachsen einer jungen Inuitfrau in einer unwirtlichen Umgebung geschildert: In einer Polarnacht wird Uqsuralik abrupt und unwiderruflich von ihrer Familie getrennt, als das Packeis plötzlich bricht. In der Eiseskälte der Arktis lernt das Mädchen, nur mit einem Bärenfell und einem Speer ausgestattet und vollkommen auf sich alleine gestellt, mit Hilfe von Hunden zu jagen und zu überleben. Nach Tagen der Einsamkeit trifft sie zufällig auf eine andere Familie, in der sie jedoch keinen Schutz vor der Grausamkeit der Natur findet, sondern ebenfalls um ihr Überleben kämpfen muss. Nachdem die junge Frau alleine weitergezogen ist, wird sie von einer halbnomadischen Familie aufgenommen, die ihr endlich Wärme und ein Zuhause zu bieten vermag. In dieser Gemeinschaft, in der sie ihr persönliches Glück findet, kann die junge Frau schliesslich auch ihre schamanische Begabung entfalten.
In diesem Roman wechseln sich lyrisch-mystische Passagen mit nüchternen, ethnographischen Beschreibungen ab. In dieser Geschichte, die von einer eigentümlichen Zeitlosigkeit geprägt ist, ver­schwimmen die Trennlinien zwischen Mensch, Tier und der (beseelten) Natur. Eine kraftvolle, magische Erzählung. Foto: Buchhaus.ch

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Sachbuch

verwobenes-leben

Merlin Sheldrake: Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen.

Ein fast 450-seitiges Sachbuch über… Pilze?! Aber ja! Der renommierte Biologe Merlin Sheldrake bringt uns in seinem wissenschaftlich fundierten und spannend erzählten Werk auf amüsante und äusserst unterhaltsame Weise die Faszination der Pilze näher. Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik – Roman

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Angelika Waldis: Ich komme mit

Der Roman erzählt die Geschichte einer zunächst zaghaften Freundschaft zwischen der älteren Dame Vita und dem jungen Erwachsenen Lazy. Ein ungleiches Paar, welches sich unter „normalen“ Umständen nicht angefreundet hätte. Doch Vita merkt bald, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt und nähert sich ihm auf leisen Sohlen im Treppenhaus. Sie haben den gleichen Humor ‒ den Galgenhumor und beide sind allein. Eine latente und zum Teil auch offensichtliche Einsamkeit lässt die beiden Protagonisten zusammenspannen. Lazy ist krank und auf sich selbst gestellt. Vita ist seit längerem verwitwet und des Lebens müde. Als sie für Lazy zu kochen beginnt, kommt plötzlich Leben in ihren Alltag rein. Und Lazy fühlt sich nicht mehr ganz so alleine. Nichtdestotrotz schwingt zwischen den Zeilen stets eine Traurigkeit mit, die sich nicht so schnell abwimmeln lässt. Sie begleitet Vita, Lazy und die/den LeserIn.

Die Sprache von Angelika Waldis ist humorvoll und ironisch. Unter anderem schafft sie dies mittels Personifizierungen, wie „Die Neugier ist oft wie eine wilde Hündin“. Zudem ist die Geschichte mit etlichen ungewöhnlichen Vergleichen durchsäht, die frisch und lustig daherkommen: „Die Liebe, die Vita für Jakob empfand, war wie Rheumawäsche“. Ein leiser und unterhaltsamer Roman, der die schwierige Situation einer unheilbaren Krankheit beschreibt. Foto: Buchhaus.ch

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Belletristik – Roman

in-der-heimat

Samira El-Maawi: In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel
Auf einfühlsame, poetische Weise schreibt die Zürcher Autorin von der Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater und der Suche nach einer Heimat in einem fremden Land. Der Vater fühlt sich als Afrikaner aus Sansibar in der Schweiz völlig entwurzelt und die junge Erzählerin steht als Tochter einer Schweizerin und eines Afrikaners immer nur mit halbem Fuss in der jeweiligen Kultur. Der Roman leistet einen feinfühligen und sehr persönlichen Beitrag zum aktuellen Thema Alltagsrassismus. Foto: Buchhaus.ch

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E-Book/Belletristik – Roman

das-evangelium-der-aale

Patrik Svensson: Das Evangelium der Aale
In seiner naturwissenschaftlich und kulturhistorisch fundierten sowie (wohl) autobiographischen Erzählung beschäftigt sich Patrik Svensson mit dem Mysterium der Aale. Einerseits reflektiert er über seine Kindheit und Jugend im ländlichen Schweden und über die Aalfischerei, die ihn über lange Jahre mit seinem Vater verbunden hatte. Andererseits beleuchtet Svensson aber auch aus naturwissenschaftlicher und kulturhistorischer Perspektive die nach wie vor rätselhafte Existenz der Aale und denkt in diesem Zusammenhang über grundlegende Fragen der menschlichen Existenz nach. Foto: Dibiost

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Comic

spirou-fantasio-spezial

Laurent Verron: Sein Name war Ptirou
«Was, den Spirou gab’s wirklich?» Dieser Einzelband erzählt die turbulenten Ereignisse um den rothaarigen Kreuzschiffpagen «Ptirou». Ein wildes Schiffsabenteuer, das endlich erklärt, wie der Künstler Rob-Vel 1929 auf die Idee kam, seinen weltbekannten, rothaarigen Hotelpagen zu zeichnen. Ein Genuss für alle jungen und alten Spirou-und-Fantasio-Fans. Foto: Dibiost

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E-Book/Belletristik – Roman

das-geburtstagsfest

Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest
Dieser packende, raffiniert konstruierte Roman kreist um die Thematik von Wahrheit und Lüge, um Täuschung und Verrat. Am 50. Geburtstag des Architekten Kim treffen er und seine Ehefrau Ines nach langen Jahren wieder auf ihre Jugendfreundin Tevi, die wie Kim als Jugendliche aus Kambodscha nach Österreich geflüchtet und von Ines‘ Mutter aufgenommen worden war. In diesem Roman werden die ineinander verflochtenen Schicksale der drei Hauptfiguren nachgezeichnet, wobei diese punktiert werden durch die Erinnerungen an eine Kindheit in Kambodscha, die von der Grausamkeit der Roten Khmer geprägt war, und durch die Lebenswirklichkeit von Ines‘ Mutter und Grossmutter, zwei alleinstehenden Frauen in Wien und dem österreichischen Dorf. Foto: Dibiost

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E-Book/Belletristik – Roman

eineinfachesleben

Min Jin Lee: Ein einfaches Leben
Die Geschichte von der jungen Sunja, ihrem Erwachsenwerden, und schliesslich die Entwicklung ihrer Söhne und deren Leben fesselt von Beginn weg. Lebhaft, einfach und klar beschreibt die Autorin ihre Charakteren sowie die damaligen Umstände und Lebensweisen in Südkorea und Japan. Eine Geschichte, die bewegt, mitfühlen und hoffen lässt und die sich zu lesen lohnt. Foto: Dibiost

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Belletristik – Roman

dersprung

Martina Clavadetscher: Knochenlieder
Clavadetschers Buch schafft den Spagat zwischen bekannten Märchen, wortgewandter Poesie und dystopischer Zukunftsvision. Elemente der Grimm-Märchen Dornröschen, Rumpelstilzchen und Der singende Knochen werden hier in einen neuen, modernen Kontext gesetzt und erzählen eine Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Foto: buchhaus.ch

 

 

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E-Book – Roman

dersprung

Simone Lappert: Der Sprung
Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt − oder stürzen sich in eine nicht mehr für möglich gehaltene Freiheit. Foto/Quelle: Dibiost 

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E-Book – Roman

was uns betrifft

Laura Vogt: Was uns betrifft
Rahel ist eine junge Mutter, die am Anfang der Geschichte genau zu wissen scheint, was sie möchte. Sie ist schwanger, jedoch verliert sich die Spur des Vaters ziemlich schnell und sie wählt sich einen anderen Mann aus, der ihr als Ehemann und Vater mehr zuspricht. Eine bewusste und starke Entscheidung doch die Zerrissenheit zwischen Mutter, Partnerin und Ehefrau scheinen sie zu zerreissen. Sie möchte weggehen, den Traum der Musik weiterverfolgen und kehrt aber trotzdem wieder zurück. Die Sprache von «Was uns betrifft» ist so unmissverständlich und direkt, dass der/m LeserIn oft der Atem wegbleibt. Die drei Frauen Rahel, ihre Schwester Fenna und ihre Mutter Verena, verkörpern verschiedene Angehensweisen, wie man mit den Rollen der Mutter und Ehefrau und deren Ansprüchen und Wünschen umgehen kann. Verena hat ihren Mann ziehen lassen, war sogar froh, als er nicht mehr zurückkam. Ein Weggang, der für Rahel schmerzhaft war und dem sie sich heute noch die Zähne ausbeisst. Vielleicht kehrt sie auch aus diesem Grund von ihren individuellen Eskapaden zurück, weil sie an eine komplizierte aber mögliche Vereinigung der Familie glaubt. Foto: Dibiost 

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E-Book – Roman

dersprung

Nadja Spiegelmann: Was nie geschehen ist

Der Roman thematisiert die Unzuverlässigkeit und Subjektivität der Erinnerung und die sinnstiftende Kraft des Erzählens, die Frage von Mutterschaft, von weiblichen Rollenbildern und von Schuld. In diesem autobiographischen Roman wird der Werdegang von drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen – Grossmutter, Mutter und Tochter bzw. der Ich-Erzählerin – und ihre ambivalenten Beziehungen zueinander nachgezeichnet. Gleichzeitig wird auch ein Schlaglicht auf das grossbürgerliche Paris und die französische Provinz ab dem frühen 20. Jh. einerseits, und auf die künstlerischen und intellektuellen Kreise in New York ab den 1970er Jahren geworfen. Foto: Dibiost 

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Hörbuch – Thriller, Fiktion

Darm mit charme

Jonathan Stroud: Die seufzende Wendeltreppe, aus der Reihe Lockwood & Co.
Für alle, die Cornelia Funkes „Gespensterjäger“ entwachsen sind, von gruseligen Geistervertreibungen zu dritt aber nicht genug bekommen können. „Lockwood und Co.“ ist das neuste Meisterwerk des „Bartimäus“-Schöpfers Jonathan Stroud und sollte zur Schonung der Nerven besser vor Einbruch der Dunkelheit gehört werden… Foto: Dibiost 

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Hörbuch – Sachbuch

Darm mit charme

Giulia Enders: Darm mit Charme
In dieser virenbesetzen Zeit geht es hier mal zur Abwechslung um Bakterien und was für nützliche Gesellen diese sein können. Viel Wissenswertes über die Verdauung und über ein sowohl unterschätztes, als auch tabuisiertes Organ, auf unterhaltsame Weise erzählt. Foto: Dibiost 

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E-Music – World Music

Sunil Mann der Schwur

Sound Trip: World Music
Warum nicht einfach die Seele auf Reisen gehen lassen?
Die Reihe “Sound Trip” lädt Sie ein, in verschiedene Klangwelten aus zahlreichen Kulturen einzutauchen, mitzutanzen, mitzusingen oder einfach sich treiben zu lassen. Tradition trifft auf Pop, Rock, Jazz, Funk und viele andere Musikstile. In ca. 20 Stunden um die Welt. Foto: Dibiost 

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 E-Book – Krimi

Sunil Mann der Schwur

Sunil Mann: Der Schwur

Eine packender Krimi, der einem nahe geht. Themen wie illegaler Organhandel, Prostitution, Menschenhandel und Flüchtlingsthematik sind geschickt ineinander verwoben. Der Erzählrhythmus ist rasch und die Geschichte ist gespickt mit überraschenden Wendungen. Hauptfiguren sind Bashir Berisha und Marisa Greco, die mit ihrer neu gegründeten Detektei, sich mehr Geld und weniger Chefs erhoffen. Foto: Dibiost 

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E-Book – Roman

Mareike Fallwickl  Das Licht ist hier viel heller

Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller

Ein alternder, frustierter, ehemaliger Bestsellerautor ist am Tiefpunkt seines Lebens angelangt. Mit seiner Ex-Frau und seiner Teenager­tochter kommt er nicht mehr klar, schreiben kann er auch nicht mehr. Eines Tages öffnet er Briefe, die an den Vormieter seiner Wohnung adressiert sind und in regelmässigen Abständen eintreffen... Die Geschichte wird abwechslungsweise aus seiner Perspektive und der seiner Tochter erzählt. Aktuelle Themen wie #metoo, aber auch Dauerthemen wie das eigene Scheitern werden in eine spannende Geschichte verpackt, deren flüssiger, rasanter Stil eine unglaubliche Sogwirkung erzielt. Foto: Dibiost 

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E-Book – Roman

Mariana-leky-Was-man vor hier aus sehen kann
Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Diese Geschichte ist gleichzeitig ein Porträt einer Familie, eines Dorfes, ein Ausschnitt aus einem Stück Welt. Handfeste Träumer und lebenserfahrene Realisten geben einander dabei Halt und Sinn. In einer feinen Sprache und mit einer Prise skurrilen Humors zeigt die Autorin, dass nicht alles sichtbar ist, und macht Hoffnung auf ein gutes Ende. Foto: Dibiost 

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Agenda

Buchvernissage
«Eberhard und die Weihnachtsgans»
Sa, 3. Dezember 2022

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Geschichtenstunden
«Müsliclub»
Winterstaffel 2022/2023

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Digitale Bibliothek
E-Book-Sprechstunde

Am 2. Dienstag und
4. Donnerstag im Monat,
14 bis 15 Uhr

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Austausch
Literaturgespräch

Jeweils am 2. Dienstag des Monats

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Geschichtenstunde
Gschichtä-Nomittag

Mi, 14. Dezember 2022

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Ein Rätselspiel
der Stadtbibliothek
«Das geheime Manuskript»

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Buchstart für Kleinkinder
«Bärlitreff»

Di, 20. Dezember 2022

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Geschichten auf Spanisch
Cuéntame un cuento
Sa, 14. Januar 2023

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Freitags Frauen
Hildegard E. Keller:
Vortrag
Fr, 27. Januar 2023

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VORSCHAU
Game-Event

Sa, 18. Februar 2023

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World's Women
Frauen & Geschichten

Do, 23. Februar 2023

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VORSCHAU
Ort für Wort See-Linth

Sa, 4. März 2023

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Musikalisch-narrativ
«Der gestiefelte Kater»
11. + 15. März 2023

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VORSCHAU
Reichtum durch Vielfalt
18. bis 22. März 2023

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Geschichtenstunde
Gschichtä-Nomittag

Mi, 22. März 2023

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Freitags Frauen
9Volt Nelly: Comedy
Fr, 24. März 2023

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Spezialwoche
Welttag des Buches
18. bis 23. April 2023

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VORSCHAU
Schweizer Vorlesetag

Mi, 24. Mai 2023

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Wir machen Platz!
Flohmarkt im Fabriktheater
Sa und So,
11./12. Juni 2022

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Rundgang für Gruppen
Lernen Sie uns kennen!
Auf Anfrage

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lesen & schreiben
Schreibservice

Do, 10−11.45 Uhr
> abgesagt bis 22.1.21

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News

26. April 2022
Sanierung abgeschlossen

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11. April 2022
Mahnwesen

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4. April 2022
Private Medien

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23. Februar 2022
Sanierung Fassadenrisse 

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31. Januar 2022
Rückblick

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